BIG in der sportlichen Krise – Ohne Änderungen geht es nicht mehr

Berlin International Gaming steckt tiefer in der Krise, als es die Verantwortlichen wohl wahrhaben wollen. Nach den desaströsen Auftritten bei der IEM Cologne und dem BLAST Bounty Season 2, wo man nicht einmal in die Nähe eines Playoff-Spots kam, setzte es zuletzt Niederlagen gegen zahlreiche Tier-2- und Tier-3-Teams in Online-Events. Die Performances waren teils erschreckend schwach.
Ein Roster-Umbruch ist längst überfällig – die Frage ist nur: Welchen Weg will BIG einschlagen?

BIG tabseN IEM Cologne 2025
Egal welchen Weg BIG wählt, tabseN sollte weiterhin ein Teil des aktiven Rosters bleiben. | © HLTV

tabseN – nicht das Problem

Bevor man über mögliche Line-ups spricht, muss die wichtigste Personalie geklärt werden: Johannes „tabseN“ Wodarz. Seit geraumer Zeit wird diskutiert, ob er als In-Game-Leader noch der Richtige für BIG ist. Unstrittig ist: tabseN ist nicht mehr in seiner besten Verfassung, die individuelle Firepower erreicht nicht mehr die Werte vergangener Jahre.

Doch ebenso klar ist: Er ist nicht das Hauptproblem!
Dies zeigte das mehr als solide 2024er-Team, das sich unter seiner Führung für das Major in Shanghai qualifizierte und dort die Top 16 erreichte. Mit dem richtigen Roster funktioniert tabseN auch als IGL – und solange keine Alternative mit vergleichbarer Erfahrung bereitsteht, bleibt er die Konstante, um die herum man bauen muss.

Damit steht fest: Egal ob deutsch oder international – tabseN bleibt das Herzstück.

Grundsätzlich gibt es für den BIG Clan in naher Zukunft genau zwei Optionen:

  1. Der „FURIA-Weg“: eine deutsche Mehrheit behalten, aber mit zwei internationalen Importen die nötige Firepower ins Team holen.
  2. Deutsch bleiben und tatsächlich versuchen, das bestmögliche Line-up aus heimischen Spielern zu bauen.

Eines ist jedoch in beiden Szenarien klar: Marcel „hyped“ Köhn und Can „kyuubii“ Ali sind sportlich kaum noch zu rechtfertigen. Besonders hyped als AWP ist schlicht nicht konkurrenzfähig – und genau hier kommt die alte syrsoN-Thematik wieder ins Spiel.

syrsoN – die verpasste Chance

Florian „syrsoN“ Rische war über Jahre hinweg die beste deutsche AWP – und bleibt bis heute der einzige Spieler aus Deutschland, der es je in die HLTV Top 20 geschafft hat. Mit syrsoN erreichte BIG jedes Major. Ohne ihn? Seit 2019 kein einziges.

Dass man ihn nach dem kurzen Comeback 2024 nicht behalten hat, war rückblickend ein sportliches Eigentor. Die Doku „What REALLY Happened to Our Roster“ hat dieses Kapitel eher verschlimmert als geklärt – und die interne Glaubwürdigkeit der Organisation massiv beschädigt. Dass BIG ihn ein drittes Mal zurückholt, ist extrem unwahrscheinlich.

Damit bleibt die Frage: Setzt BIG auf Fritz „slaxz-“ Dietrich als beste deutsche AWP-Option – oder geht man erneut den internationalen Weg, wie schon mit Owen „smooya“ Butterfield oder Mateusz „mantuu“ Wilczewski?

BIG hyped IEM Cologne 2025
hyped bringt nicht die nötige Konstanz mit an der AWP. | © HLTV

Option 1: International umbauen

Der wohl spannendste Ansatz wäre ein deutscher Core mit zwei internationalen Stars. Kandidaten gibt es genug, die wohl besten sitzen derzeit beide auf der Bank der Falcons und wären sofort verfügbar:

  • Johannes „tabseN“ Wodarz (IGL)
  • Karim „Krimbo“ Moussa (Rifle)
  • Jon „JDC“ de Castro (Rifle)
  • Emil „Magisk“ Reif (Rifle)
  • Abdul „degster“ Gasanov (AWP)

Mit degster hätte man eine Tier-1-erprobte AWP. Magisk bringt als vierfacher Major-Champion einiges an Erfahrung und Firepower, sowie die fehlende Gewinner-Mentalität. Eine solche Konstellation würde BIG auf einen Schlag wieder wettbewerbsfähig machen und tabseN endlich wieder ein Roster an die Hand geben, das seine Calls auch umsetzen kann. Der Pool an Talent ist im Ausland generell ein ganz anderer, als in der DACH-Region.

Option 2: Deutsch bleiben

Sollten die Berliner weiterhin den nationalen Weg gehen wollen, sind die Optionen begrenzt. slaxz- und der ehemalige BIG-Spieler Elias „s1n“ Stein werden sich voraussichtlich mit M80 für das Major in Budapest qualifizieren – ein Wechsel wäre also frühestens zum Jahresende realistisch.
Josef „faveN“ Baumann ist mit 9INE besser platziert als BIG selbst und zeigte dies zuletzt sogar im direkten Duell. Seine erste Zeit bei BIG verlief unglücklich: Krankheiten und ein inkonstantes Roster verhinderten, dass er sein eigentliches Niveau abrufen konnte. Nach einer durchwachsenen Zeit bei BLEED, wirkt faveN mit 9INE nun deutlich stabiler – ein Comeback wäre sportlich sicher reizvoll, auch wenn es derzeit unwahrscheinlich scheint.

Ebenfalls unwahrscheinlich erscheint auch die Möglichkeit, Nils „k1to“ Gruhne oder Luca „pr1metapz“ Voigt zurück in die Organisation zu holen. Die Genannten sind in puncto Firepower auf einem ähnlichen Level wie kyuubii, und insbesondere k1to zeigte im Main-Roster bei BIG zwischen 2020 und 2023 bereits einiges an Inkonstanz.

Bleibt noch David „prosus“ Hesse: Der Rifler dominiert aktuell im BIG Academy-Team und forciert seit längerem eine Rückkehr ins Main Line-up. Ihn in der Entry-Rolle zu testen, wäre nicht nur naheliegend, sondern fast Pflicht. Doch am Ende muss es dort einen Kompromiss geben: JDC ist unverzichtbar und gehört in jedes ernsthafte Line-up. Entweder übernimmt er erneut die Entry-Aufgaben – oder man gibt prosus die Chance und JDC bleibt, auf Kosten von s1n oder faveN, als Rifler im Team.

BIG faveN IEM Dallas 2022
Für das bestmögliche deutsche Line-up, wäre eine Rückkehr von faveN unumgänglich. | © HLTV

Das deutsche „Dreamteam“

Geht man nüchtern nach Firepower und Verfügbarkeit, kristallisiert sich idealerweise dieses Team, aus den fünf besten deutschen Spielern, heraus:

  • Johannes „tabseN“ Wodarz (IGL)
  • Josef „faveN“ Baumann (Rifle)
  • Karim „Krimbo“ Moussa (Rifle)
  • Jon „JDC“ de Castro (Rifle)
  • Fritz „slaxz-“ Dietrich (AWP)

Dieses Quintett vereint Erfahrung und Firepower auf einem Niveau, das BIG im Jahr 2025 fehlt. faveN würde in einem zweiten Anlauf konstanter und stabiler auftreten, slaxz- ist aktuell die einzige ernsthafte deutsche AWP-Option, und JDC/Krimbo sind schlicht nicht zu ersetzen.

Sollte faveN nicht zu bekommen sein, wäre prosus die logische erste Alternative, JDCs Rolle würde sich dann entsprechend verändern.

tabseN bleibt in diesem Modell der unumgängliche IGL – und es spricht viel dafür, dass er mit solch einem Roster durchaus noch konkurrenzfähig führen kann. Das 2024er-Beispiel hat gezeigt: Mit der richtigen Besetzung ist tabseN alles andere als ein Klotz am Bein, sondern vielmehr der Garant für Struktur und Stabilität.

Update, 22.08.2025 – es gibt Änderungen!

Nur wenige Tage nach unserer umfassenden Analyse, gibt es nun tatsächlich gleich mehrere Veränderungen im Main-Roster des BIG Clans.

prosus kehrt anstelle von kyuubii zurück in das aktive Line-up. kyuubii wird dafür ins Academy-Team rutschen. Die beiden tauschen also quasi ihre Plätze, ähnlich wie BIG es 2022 mit Krimbo und k1to gemacht hatte. Das könnte auch eine Rollenveränderung für JDC bedeuten, doch das wird man abwarten müssen.

Gar nicht mehr bei BIG sein, wird in Zukunft Coach Robin „ScrunK“ Röpke. Dazu veröffentlichte der BIG Clan ebenfalls ein Statement. Daraus geht auch hervor, dass Sebastian „xenn“ Hoch jetzt wieder der Headcoach sein wird. Ihm assistieren wird der bisherige IGL des Academy Teams, Lukas „FreeZe“ Hegmann.

Zu guter Letzt folgen daraus noch zwei weitere Veränderungen im Academy Team, welches neben kyuubii, und den bereits Anfang Juli verpflichteten Phillip „w1dow“ Hemke und Egzon „xonn1k“ Behluli, nun auch die beiden dänischen Spieler Mikkel „Maze“ Sparvath, sowie Jason „JBOEN“ Boe Nielsen umfassen wird.

Das neue BIG-Roster

  • Johannes „tabseN“ Wodarz (IGL)
  • David „prosus“ Hesse (Rifle)
  • Karim „Krimbo“ Moussa (Rifle)
  • Jon „JDC“ de Castro (Rifle)
  • Marcel „hyped“ Köhn (AWP)
  • Sebastian „xenn“ Hoch (Coach)

Es wird jetzt spannend sein, zu sehen, ob diese Änderungen Früchte tragen. Eins ist jedoch klar, prosus verdient diese Chance und hyped bekommt nun zum wohl letzten Mal die Möglichkeit endlich konstanter zu performen. Tut er das, könnte es für BIG schon bald wieder aufwärtsgehen.

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