Nur wenige Tage nach dem verlorenen Major-Halbfinale in Budapest zieht Team Spirit die Reissleine und nimmt tiefgreifende Änderungen am eigenen Roster vor. Boris „magixx“ Vorobiev und Myroslav „zont1x“ Plakhotia kehren nach ihrer Zeit auf der Bank in das aktive Line-up zurück, während mit Leonid „chopper“ Vishnyakov und Ivan „zweih“ Gogin gleich zwei zentrale Figuren ihren Platz räumen müssen. Besonders brisant: magixx übernimmt künftig die Rolle des In-Game-Leaders – und beendet damit offiziell die jahrelange chopper-Ära bei Spirit.
Team Spirit stellt sich neu auf für 2026

Das kurze zweih-Kapitel – Talent ohne passendes Zuhause
Der Abgang von Ivan „zweih“ Gogin kommt zwar früh, überrascht intern aber offenbar kaum. Das Experiment, magixx durch den jungen Prospect zu ersetzen, brachte Spirit zwar kurzfristige Erfolge – darunter Siege bei der IEM Cologne und den BLAST Bounty Season 2 Finals – entpuppte sich langfristig jedoch als Sackgasse. Spätestens nach der Verpflichtung von Andrey „tN1R“ Tatarinovich für zont1x verlor das Team an Struktur und Konstanz.
Coach Sergey „hally“ Shavaev sprach offen davon, dass zweih zwar ein extrem talentierter Spieler und geschätzter Teammate sei, seine natürlichen Rollen aber nicht mit den aktuellen Bedürfnissen des Teams übereinstimmen würden. Hinzu komme, dass ihm für das absolute Tier-1-Niveau noch die letzte Reife fehle. Nach nur rund sechs Monaten endet das Kapitel damit früher als geplant – ein klassischer Fall von „Right player, wrong timing“.
Сhanges in the Team Spirit CS2 roster
— Team Spirit CS2 (@Team__Spirit) December 18, 2025
Following the StarLadder Budapest Major and after reviewing the results of the current season, we’ve made a decision to alter our main CS2 roster.
Starting from today, Leonid @chopperis Vishnyakov and Ivan @zweih1437 Gogin are out of the… pic.twitter.com/2HzBrao4F1
Das Ende der chopper-Ära – ein Major-Sieger tritt ab
Wesentlich schwerer wiegt jedoch der Abschied von Leonid „chopper“ Vishnyakov. Seit 2019 das Gesicht von Team Spirit, führte er das Team nicht nur durch schwierige Aufbaujahre, sondern auch zu den grössten Erfolgen der Organisationsgeschichte. Der Höhepunkt: der Major-Titel Ende 2024 sowie mehrere internationale Turniersiege, darunter IEM Katowice.
Dass chopper nun erneut – und wohl endgültig – auf der Bank landet, markiert einen klaren Schnitt. Bereits 2021 war er nach dem Stockholm Major kurzzeitig aussortiert worden, kehrte damals aber stärker zurück. Diesmal ist die Ausgangslage eine andere: Spirit sucht nicht nur neue Impulse, sondern eine strukturelle Neuausrichtung. Mit 28 Jahren und einer langen Ära als IGL endet damit eines der prägendsten Kapitel der Teamgeschichte.
Die Verantwortung geht jetzt an Boris „magixx“ Vorobiev über. Dass er die IGL-Rolle übernehmen könnte, hatte er bereits im Sommer angedeutet – nun wird aus der Option Realität. Für Spirit ist das ein kalkuliertes Risiko: magixx kennt das System, die Spieler und die Organisation, muss sich aber gleichzeitig in einer der anspruchsvollsten Rollen des Spiels neu erfinden. Coach hally zeigte sich überzeugt, dass magixx das Potenzial habe, zu einem Top-IGL heranzuwachsen. Entscheidend wird vor allem sein, wie Spirit seine explosiven Stars auf den T-Sides einbindet.

Das „neue“ Spirit – Rollenfrage auf den T-Sides
Mit der Rückkehr von zont1x und der Integration von tN1R steht Spirit vor einer zentralen taktischen Frage: Wer übernimmt Verantwortung in den Openings? Besonders im Fokus stehen dabei Danil „donk“ Kryshkovets und tN1R.
Ein mögliches Szenario erinnert stark an das aktuelle Modell von MOUZ. Dort ist Ludvig „Brollan“ Brolin offiziell der IGL, während die entscheidenden Opening-Calls stets von Dorian „xertioN“ Berman und Ádám „torzsi“ Torzsás kommen. Übertragen auf Spirit könnte das bedeuten, dass magixx den strukturellen Rahmen vorgibt, während donk auf den T-Sides mehr Freiheit erhält – inklusive eigener Entscheidungen in den frühen Phasen der Runde.
Gerade für donk, dessen Spielstil von Aggression, Tempo und Selbstvertrauen lebt, könnte dieses Setup ideal sein. Ob er künftig tatsächlich selbst die Openings callt oder ob Spirit zunächst an einem klassischeren Modell festhält, wird sich erst in der Praxis zeigen.
Viel Potenzial, aber keine Garantien
Team Spirit startet 2026 mit einem Line-up, das auf dem Papier enormes Potenzial besitzt, gleichzeitig aber viele offene Fragen mit sich bringt. Die Rückkehr von magixx und zont1x sorgt für Stabilität und Erfahrung, der Abgang von chopper für einen emotionalen Einschnitt. Ob der neue Ansatz aufgeht, hängt massgeblich davon ab, wie schnell magixx in seine neue Rolle findet – und ob es gelingt, donk und tN1R optimal auf den T-Sides einzusetzen.
Das neue Team Spirit-Roster
- Boris „magixx“ Vorobiev (IGL)
- Myroslav „zont1x“ Plakhotia
- Danil „donk“ Kryshkovets
- Dmitry „sh1ro“ Sokolov
- Andrey „tN1R“ Tatarinovich
- Sergey „hally“ Shavaev (Coach)
Der erste Härtetest wartet bereits im Januar bei der BLAST Bounty. Dann wird sich zeigen, ob Spirit den richtigen Schlussstrich gezogen hat – oder ob das Ende der chopper-Ära schmerzhafter wird als erhofft.
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