Highguard: Vom Game Awards Hype zum schnellen Shutdown eines Live-Service-Shooters

Der nächste Live-Service-Shooter verabschiedet sich schneller als erwartet aus der Gaming-Welt. Highguard, ein Free-to-Play Squad-Shooter von Wildlight Entertainment, wird am 12. März 2026 endgültig abgeschaltet. Damit bleibt das Spiel gerade einmal rund 45 Tage online, nachdem es am 26. Januar 2026 veröffentlicht wurde.

Der grosse Hype rund um die Enthüllung

Als Highguard im Dezember bei den Game Awards vorgestellt wurde, waren die Erwartungen hoch. Das Studio hinter dem Projekt bestand aus ehemaligen Entwicklern von Serien wie Apex Legends, Call of Duty und Titanfall. Dazu kam der Ruf, dass das Projekt teilweise von grossen Investoren finanziert wurde.

Das Konzept: ein taktischer Squad-Shooter im Live-Service-Modell, der langfristig mit neuen Inhalten erweitert werden sollte. Statt monatelanger Marketingkampagne setzte das Team bewusst auf einen schnellen Release. Kurz nach der Ankündigung sollte das Spiel direkt verfügbar sein und die Community mit Gameplay statt mit Versprechen überzeugen.

Diese Strategie erinnert stark an den berühmten Shadow-Drop von Apex Legends, der 2019 zum riesigen Erfolg wurde. Genau diesen Effekt wollte Highguard ebenfalls erreichen.

Ein starker Start, der schnell verpuffte

Der Launch sah zunächst vielversprechend aus. Laut Daten von SteamDB loggten sich zum Start fast 100’000 Spieler gleichzeitig ein. Insgesamt probierten über zwei Millionen Spieler den Free-to-Play-Shooter aus. Doch die Zahlen hielten nicht lange.

Schon kurz nach Release wurden die Steam-Reviews zunehmend negativ. Spieler kritisierten unter anderem die Komplexität des Gameplays, Balance-Probleme und fehlende Orientierung für neue Spieler.

Gleichzeitig sank die Spielerzahl rapide. Am Ende blieben laut Tracking-Seiten nur noch einige hundert gleichzeitige Spieler übrig. Für ein Multiplayer-Spiel, das auf aktive Matches angewiesen ist, ist das praktisch ein Todesurteil.

Ein Problem vieler Live-Service-Games

Das Schicksal von Highguard zeigt ein zentrales Risiko moderner Online-Spiele. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass eine grosse und aktive Community dauerhaft im Spiel bleibt und über Mikrotransaktionen Geld ausgibt.

Bleiben die Spieler aus, entsteht eine Abwärtsspirale:

  • weniger aktive Matches
  • weniger Einnahmen
  • weniger Ressourcen für Updates
  • noch weniger Spieler

Genau das scheint bei Highguard passiert zu sein. Das Entwicklerstudio erklärte in einem Statement:

„Trotz der Leidenschaft und harten Arbeit unseres Teams ist es uns nicht gelungen, eine nachhaltige Spielerbasis aufzubauen, die das Spiel langfristig tragen kann.“

Bevor die Server abgeschaltet werden, soll noch ein letzter Patch erscheinen. Dieser bringt unter anderem einen neuen Charakter und eine neue Waffe ins Spiel – ein kleiner Ausblick auf Inhalte, die ursprünglich für die Zukunft geplant waren.

Fehlende Community vor dem Release

Highguard setzte stark auf den Überraschungseffekt und verzichtete weitgehend auf längere Alpha- oder Beta-Phasen mit der Community. Viele Multiplayer-Spiele bauen jedoch bereits Monate vor Release eine engagierte Spielerbasis auf, sammeln Feedback und verbessern Gameplay-Probleme frühzeitig.

Bei Highguard fehlte diese Phase weitgehend. Einige Entwickler berichteten später, dass das Spiel während interner Playtests deutlich besser funktionierte, weil Teams über Voice-Chat kommunizierten und Entwickler anwesend waren, um Fragen zu beantworten. In der Realität fehlten diese Hilfen.

Das Resultat: Neue Spieler fühlten sich teilweise überfordert und verliessen das Spiel schnell wieder.

Finanzielle Probleme hinter den Kulissen

Zusätzlich traf das Projekt offenbar eine schwierige finanzielle Situation. Laut Branchenberichten wurde ein Grossteil des Teams bereits im Februar entlassen. Hinter dem Projekt soll unter anderem Kapital aus China gestanden haben, das nach dem schwachen Launch zurückgezogen wurde.

Ohne diese Finanzierung blieb nur noch ein kleines Restteam übrig, das die letzten Updates und den Shutdown vorbereitet.

Highguard ist kein Einzelfall

So abrupt das Ende wirkt, es passt leider in ein grösseres Muster der Branche.

Live-Service-Games sind eine Alles-oder-nichts-Wette. Wer den Durchbruch schafft, generiert jahrelang enorme Einnahmen, wie Beispiele zeigen:

  • Fortnite
  • League of Legends
  • Counter-Strike

Doch die Liste der gescheiterten Projekte wächst ebenfalls stetig. Amazons Shooter Crucible wurde nach wenigen Monaten eingestellt. Sonys Sci-Fi-Shooter Concord überlebte sogar nur zwei Wochen.

Der Live-Service-Traum geht trotzdem weiter

Trotz zahlreicher Flops investieren Studios weiterhin massiv in dieses Modell. Der Grund ist klar: Erfolgreiche Live-Service-Games dominieren die Spielzeit vieler Gamer über Jahre hinweg.

Während Projekte wie Highguard scheitern, versuchen andere Studios weiterhin ihr Glück mit neuen Multiplayer-Konzepten. Für Wildlight Entertainment und Highguard endet diese Geschichte jedoch schon nach wenigen Wochen. Am 12. März gehen die Server endgültig offline.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie schwer es geworden ist, im modernen Live-Service-Markt Fuss zu fassen.

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